E-Bike-Motoren im Test 2019

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An einem E-Bike in hervorragender Qualität müssen alle Komponenten stimmen und perfekt zusammenarbeiten. Einer dieser Komponenten ist der Motor, der zusammen mit dem Akku den Antrieb bildet, also das, was das E-Bike zum E-Bike macht. Da sich die Besten der Besten nicht von alleine finden, haben wir die führenden E-Bike-Motoren 2019 zum Test antreten lassen und im Folgenden die Ergebnisse für Sie zusammengefasst.

Die wichtigsten Kennzahlen für E-Bike-Motoren

Zunächst möchten wir einmal kurz und bündig erklären, worauf es bei einem guten E-Bike-Motor überhaupt ankommt. Welche Kennzahlen und Parameter sind besonders aussagekräftig, wenn es um die Beurteilung der Qualität eines E-Bike-Motors geht?

 

Elektrische Leistung


Als allererstes Kriterium kann die Nennleistung des Motors genannt werden. Sie liegt bei allen führenden E-Bike-Motoren im Test bei 250 Watt, denn hier befindet sich auch die Grenze für Pedelecs, um lt. StVO noch als Fahrrad gelten zu können. Die besten Antriebe reizen diese Leistungsgrenze selbstverständlich aus. Nennleistung bedeutet übrigens, dass der E-Bike-Motor im Test durch den Hersteller die durchschnittliche Leistung über einen Zeitraum von 30 Minuten nicht überschritten hat. Die Leistungsspitzen können allerdings weit höher liegen.

 

Die Stärke eines Motors wird in Newtonmeter angegeben. Die Newtonmeter bezeichnen das Drehmoment eines Motors, wobei vor allem auch das Verhältnis zwischen Trittfrequenz und Drehmoment aussagekräftig ist. Sprich: bei wie vielen Umdrehungen pro Minute der E-Bike-Motor im Test seine Drehmomentspitze erreicht. Wenn dieser Wert bei etwa 60 bis 70 U/min liegt, ist der Motor für Touren und Trekkingstrecken auf jeden Fall schon gut geeignet. Da dieser Wert aber meist vom Hersteller nicht gemessen bzw. angegeben wird, kann auch das Drehmoment an sich eine gute Richtlinie sein.

 

Drehmoment

Unterstützungsstufen


Bei einem E-Bike kann man für gewöhnlich manuell einstellen, wie stark der Motor unterstützen soll. In der Regel ist die Software der E-Bike-Motoren so ausgelegt, dass man zwischen 3-5 Unterstützungsstufen wählen kann. Manche Modelle gehen sogar so weit, einen dynamischen Modus anzubieten. Dieser erkennt, wie viel Kraftaufwand gerade vom E-Biker geleistet wird und passt die Unterstützungsstufe dementsprechend automatisch an.

 

Das Gewicht ist beim E-Bike immer Thema. Die Antriebseinheit bringt nämlich in der Regel einiges auf die Waage, was sich nicht unbedingt positiv auf den Komfort beim Handling des E-Bikes auswirkt. Deshalb kann man bei einem Motor definitiv auch auf eine kompakte, leichte Bauform achten. Wenn sich dieser mit geringem Gewicht und möglichst dezent in den Rest des E-Bikes einfügt, hat der Hersteller auch mehr Freiheiten bei der Gestaltung der anderen Komponenten. Außerdem ist die Position des Motors (Mittel-, Frontnaben- oder Hecknabenmotor) vor allem für die Stabilität entscheidend.

 

Gewicht und Bauform

Display


Außerdem kann man sich ansehen, mit welchen Displays und Remotes der E-Bike-Motor kompatibel ist. Manche Motor-Hersteller liefern die Steuereinheit gleich mit und die E-Bike-Hersteller sind anschließend daran gebunden. Manche bieten unterschiedliche Möglichkeiten an und bei wieder anderen wird die Steuerung überhaupt von externen Herstellern hinzugekauft. Je nachdem, wie komplex die Steuereinheit sein soll, kann man dann unter verschiedenen Möglichkeiten wählen – vom einfachen Display bis zur Konfiguration über die Smartphone-App.

 

Immer wieder ist im Zusammenhang mit E-Bike-Motoren-Tests von „natürlichem Fahrgefühl“ die Rede. Aber was bedeutet das überhaupt? Wie misst man, wie natürlich sich das Fahren anfühlt? Vor allem geht es dabei darum, dass das E-Bike mit schwankender Trittfrequenz und an Leistungsschwellen wie dem Anfahren oder dem Erreichen der 25 km/h (wo der Antrieb eines herkömmlichen E-Bikes ja aussetzen muss) gut zurechtkommt. Es darf keine ruckartigen Schübe verpassen und muss die Unterstützung geschmeidig an die Trittleistung der fahrenden Person anpassen.

Fahrgefühl

         

 

Vergleich der besten Motoren auf dem Markt

Jetzt, wo wir uns ein bisschen genauer angesehen haben, worauf überhaupt bei einem E-Bike-Motoren-Test geachtet wird, können wir uns aktuell führenden Modellen widmen und diese unter die Lupe nehmen. Um sie besser vergleichen zu können, haben wir uns dafür entschieden, nur Mittelmotoren bis 25 km/h und 250 Watt Nennleistung gegeneinander antreten zu lassen. Wir werden also den S-Pedelec-Bereich und alle Heck- und Fronnabenmotoren ausklammern.

Außerdem sei darauf hingewiesen, dass die Reihenfolge der vorgestellten Motoren zufällig entstanden ist und keine Qualitätsreihung ausdrücken soll. Jedes dieser Modelle ist auf höchstem Qualitätsstand und lediglich jeweils für andere Vorlieben und Bedürfnisse geeignet.

Bosch: Performance Line CX Motor

Parameter

Daten und Werte

Leistung

250 Watt

Unterstützung bis

25 km/h

Drehmoment

75 Nm

Anzahl der Unterstützungsstufen

4

Unterstützungsgrad*)

bis 300 %

Gewicht

3,9 kg

Reichweite

max. 145 km

Geeignet für

E-Trekkingbikes, E-Mountainbikes

Beispielmodell mit diesem Motor

Bergamont E-Line Trailster 8.0

Sonstiges

verfügt über einen eigenen E-MTB-Modus

*) gibt an, wie viele Prozent der eigenen Tretleistung max. vom Motor zusätzlich geleistet werden.

Der Performance Line CX Motor von Bosch hat in den letzten Jahren eine schwer zu knackende Messlatte angesetzt. Er ist leistungsstark und verfügt über hochqualitative Technik, die das „natürliche Fahrgefühl“, von dem vorhin die Rede war, spielend leicht gewährleistet. Allerdings beginnen neuere Modelle ihm langsam aber sicher den Rang abzulaufen. Immerhin gibt es den Performance Line CX schon eine Weile und er ist auch der wohl meistverbaute E-Bike-Motor überhaupt.

Besonderes Merkmal ist sein E-MTB-Modus, der den Unterstützungsgrad automatisch und nahtlos an den Tretaufwand anpasst. Besonders im Gebirge hat man damit einen klaren Vorteil anderen Motoren gegenüber. Gröberes Manko am Bosch Performance Line CX ist der Tretwiderstand bei ausgeschaltetem Antrieb. Ist der Akku leer oder möchte man doch mal selbst mehr körperliche Betätigung leisten, wird das gleich um einiges anstrengender als bei einem normalen Fahrrad. Das haben andere E-Bike-Motoren im Test besser gelöst.

Shimano: Steps E6000

Parameter

Daten und Werte

Leistung

250 Watt

Unterstützung bis

25 km/h

Drehmoment

50 Nm

Anzahl der Unterstützungsstufen

3

Unterstützungsgrad*)

bis 250 %

Gewicht

3,1 kg

Reichweite

max. 120 km

Geeignet für

E-Citybikes

Beispielmodell mit diesem Motor

Husqvarna Light Tourer LT1 Wave 9-A Steps

Sonstiges

mit Rückbremsen erhältlich

*) gibt an, wie viele Prozent der eigenen Tretleistung max. vom Motor zusätzlich geleistet werden.

Eigentlich vor allem für E-Bike-Komponenten wie Schaltung und Bremsen zuständig, punktet Shimano auch mit einigen Motorsystemen. So zum Beispiel mit dem Shimano Steps E6000. Er ist vor allem als Gegenstück zur Performance Line von Bosch bekannt, da er insgesamt weniger Leistung bringt. Das hat allerdings den wesentlichen Vorteil, dass der Steps E6000 so weniger Verbrauch aufweist und einen simplen, geschmeidigen Fahrkomfort bietet, was vor allem im urbanen Bereich punkten kann.

Shimano schafft es, mit diesem Motorsystem eine perfekte Ergänzung zu ihren Schaltsystemen anzubieten. Besonders mit einer vollautomatischen Schaltung sind die Shimano Steps E-Bike-Motoren im Test (besonders in E-Citybikes verbaut) beinahe unschlagbar.

Yamaha: PW-SE

Parameter

Daten und Werte

Leistung

250 Watt

Unterstützung bis

25 km/h

Drehmoment

70 Nm

Anzahl der Unterstützungsstufen

4

Unterstützungsgrad*)

bis 280 %

Gewicht

3,5 kg

Reichweite

max. 130 km

Geeignet für

E-Trekkingbike

Beispielmodell mit diesem Motor

Haibike SDURO Trekking 8.0

Sonstiges

Trittfrequenz max. 110 U/min

*) gibt an, wie viele Prozent der eigenen Tretleistung max. vom Motor zusätzlich geleistet werden.

Positiv angemerkt wurde beim E-Bike-Motor PW-SE von Yamaha vor allem, dass er selbst bei hohen Trittfrequenzen noch unterstützt, ohne den Geist aufzugeben. Er liefert auch noch bei einer Trittfrequenz von 110 Umdrehungen pro Minute stabile Unterstützung. Sein besseres Ansprechverhalten sorgt für ein geschmeidigeres Beschleunigen und nahtloseren Übergang zwischen verschiedenen Intensitäten bei der Trittleistung. Das führt zu einem allgemein verbesserten Fahrgefühl, vor allem seinen Vorgängern aus dem Hause Yamaha gegenüber.

Außerdem verfügt dieser Motor samt Steuereinheit über eine Bluetooth-Schnittstelle, sodass die Software besser vom Handy aus gesteuert werden kann.

Brose: Drive S mag

Parameter

Daten und Werte

Leistung

250 Watt

Unterstützung bis

25 km/h

Drehmoment

90 Nm

Anzahl der Unterstützungsstufen

4

Unterstützungsgrad*)

410 %

Gewicht

2,9 kg

Reichweite

max. 190 km

Geeignet für

E-Mountainbike

Beispielmodell mit diesem Motor

Bulls E-Stream EVO AM3

Sonstiges

kein Tretwiderstand

*) gibt an, wie viele Prozent der eigenen Tretleistung max. vom Motor zusätzlich geleistet werden.

Der Berliner Hersteller von E-Bike-Motoren kommt in aktuellen Tests durchwegs gut weg. Besonders sein hohes Drehmoment und der hohe Unterstützungsgrad beeindrucken beim Brose Drive S mag. Allerdings schrecken viele vor einem Drehmoment von ganzen 90 Nm oft zurück. Viel zu ruppig und brachial, hört man von einigen Seiten. Tatsächlich setzt dieser E-Bike-Motor dieses hohe Drehmoment gut um und gibt trotzdem langsamen und angenehmen Schub.

Außerdem verfügt der Brose Drive S mag über einen drehmoment- und drehzahlgesteuerten Modus, der wie beim E-MTB-Modus von Bosch die Unterstützungsstufe automatisch steuert. Sollte man den Antrieb mal außen vor lassen müssen oder wollen, ist das hier auch kein Problem, denn der Tretwiderstand ist bei ausgeschaltetem Antrieb auffallend niedrig, wenn nicht sogar non-existent.

Bafang: M500 Mittelmotor

Parameter

Daten und Werte

Leistung

250 Watt

Unterstützung bis

25 km/h

Drehmoment

95 Nm

Anzahl der Unterstützungsstufen

5

Gewicht

3,3 kg

Geeignet für

E-Moutainbike

Beispielmodell mit diesem Motor

American Eagle

 

Als Bafang in den Markt für E-Bike-Motoren mit einstieg, wurden gleich 3 Modelle vom Start weg vorgelegt. Darunter befanden sich zwei Mittel- und ein Hecknabenmotor. Wer bereits von den 90 Nm Drehmoment beeindruckt war, bekommt hier nochmal 5 Nm obendrauf, was den Bafang vor allem für sehr unwegsames und höhenmeterintensives Gelände prädestiniert. Verbaut ist das gute Stück bis dato noch in sehr wenigen Modellen, aber vielleicht kommen ja in naher Zukunft noch mehr Hersteller auf den Geschmack von Bafang-Motoren.

TQ Systems: HPR® 120S

Parameter

Daten und Werte

Leistung

250 Watt

Unterstützung bis

25 km/h

Drehmoment

120 Nm

Anzahl der Unterstützungsstufen

5

Unterstützungsgrad*)

550 %

Gewicht

3,9 kg

Reichweite

max. 100 km

Geeignet für

E-Mountainbike

Beispielmodell mit diesem Motor

Haibike Flyon Modelle

*) gibt an, wie viele Prozent der eigenen Tretleistung max. vom Motor zusätzlich geleistet werden.

Ebenfalls eher neu am E-Bike-Markt ist das Unternehmen rund um TQ Systems. Bisher eher in Insidermodellen der Sporttechnik verbaut, hat sich seit der Eurobike 2018 auch Haibike offiziell einem der TQ Motoren verschrieben, und zwar dem HPR® 120S. Er leistet keinen Tretwiderstand, wenn die Antriebseinheit ausgeschalten ist und hat eine immense Spannbreite, was die Trittfrequenz angeht. Durch seine unfassbaren 120 Nm kommt er mit jeder Trittfrequenz klar.

Das hat nur leider auch einen wesentlichen Nachteil: Er saugt vergleichsweise viel Strom aus dem Akku, was die Reichweite ziemlich schmälert. Aber dadurch, dass das gute Stück ohnehin eher für Mountainbikestrecken gedacht ist, ist das auch verkraftbar – auf diesen Strecken ist man vergleichsweise kurze Reichweiten ohnehin gewohnt und setzt lieber auf etwas mehr Power.

Fazit – Viele für alle!

„Einer für alle, alle für einen!“ – das würden wir in diesem Fall nicht bestätigen. Wie so oft gibt es nicht den einen, der für alle passen soll – auch nicht in E-Bike-Motoren-Tests. Wie wir gesehen haben, gibt es eine Handvoll Vertreter, die steile Messlatten für den gesamten Markt vorlegen (etwa Bosch, TQ oder Shimano), aber eben immer auf ihrem besonderen Gebiet. Was dem E-Citybiker gut passt, macht im steilen Gelände womöglich keine so gute Figur.

Soviel also zu unserer Einschätzung der Innovationen und Perlen unter den aktuellen E-Bike-Motoren. Vielleicht werden Sie ja unter ihnen fündig und können sich in Ihrem persönlichen E-Bike-Motoren-Test von der Qualität überzeugen.